HochDrei e. V. – Bilden und Begegnen in Brandenburg
  • deutsch

Ja, Du! – Diversifizierung und Teilhabe in der Zivilgesellschaft

Modellprojekt 2019 - 2022

Wenn sich Menschen unsicher fühlen, sich nicht verstehen, die einen das Ge-fühl von Ungerechtigkeit, und die anderen das von zu wenig Anerkennung ha-ben, braucht es Anlässe, mit denen wir zueinanderfinden und zeigen können, wer wir sind, was wir jeweils können und wollen. Denn eine Gesellschaft ist ständig in Bewegung. Das bringt nicht nur spannende Veränderungen, sondern auch die Herausforderung, uns immer wieder neu einzulassen.

Zivilgesellschaftliches Engagement, auch im ganz Kleinen, und (niedrigschwel-lige) partizipative Angebote der politischen Bildung können ein solcher Anlass sein, an dem sich Menschen treffen. Denn ehrenamtliches Engagement und Neugierde am Anderen und der Gesellschaft geht mit mehr und mit weniger Bildung, mit viel und mit wenig Geld, mit nicht-deutscher und deutscher Her-kunft, mit und ohne Sprachkenntnisse, und mit jeder oder keiner Religion.

Wir erlebten während unserer Modellprojekte mit geflüchteten Menschen viel Interesse an ehrenamtlichem Engagement und an politischer Bildung. Unsere Teilnehmenden haben die Bedeutung verstanden, die darin liegende Chance für Demokratie, dafür, Wissen über ihre Rechte zu erlangen und das Land bes-ser zu verstehen, in dem sie leben.
Es sind Vereinsgründungen aus unseren Veranstaltungen hervorgegangen und andere haben sich mit uns zusammengetan, um Projekte zu ihren Themen zu konzipieren und mit uns durchzuführen. Dank dieser Kooperationen war es im-mer leicht, Teilnehmende für die Bildungsmaßnahmen zu interessieren.

Gleichzeitig fiel uns aber auch auf, dass vielen nicht klar ist, dass Mitmachen, Anlässe zur Teilhabe wahrzunehmen, auch ein großes Problem lösen kann, das viele mit sich herumtragen: Niemanden aus Deutschland zu kennen, missver-standen zu werden, mit der Sprache zu kämpfen und sich nicht anerkannt zu fühlen. Wir wollen also vermitteln, welche Chancen und Kontakte gesellschaft-liche Räume bieten.
Gleichzeitig tun sich die bestehenden Strukturen in Deutschland oft schwer, Zugänge zu erleichtern und wiederum Anlässe der Begegnung mit neuen Men-schen zu schaffen – ganz besonders auf dem Land, wo gewachsene Verbindun-gen bestehen.

Wir wollen aktiv viel mehr Anlässe für gemeinsame Projekte schaffen, Türen für Beteiligung öffnen und Schnittstellen zwischen „den Anderen“ und „uns“ bau-en, in ländlichen wie in städtischen Gegenden, bei Menschen, die schon länger hier sind, Ideen haben und andere mitreißen können, genauso wie bei jenen, die bisher keinen Zugang gefunden haben.


Wie wollen wir das erreichen?

Im Rahmen des Projekts möchten wir für die Zielgruppe Themen aus vier un-terschiedlichen Perspektiven anbieten und damit in besonderem Maße sowohl Interessen als auch gesellschaftliche Relevanz treffen.

„Peeransatz“ – Projekte von ehemaligen Seminarteilnehmenden aus Syrien, Afghanistan, afrikanischen Ländern u.a.

Mit unseren Angeboten schaffen wir Interesse an und Wissen über politische Bildung. Im Rahmen des Projekts erhalten ehemalige Teilnehmende aus unse-ren Modellprojekten die Möglichkeit, eigene Seminare durchzuführen. Dabei werden sie von Anfang bis Ende begleitet und in den Grundlagen qualifiziert. Bei der Durchführung steht ihnen erfahrenes Personal zur Seite, um Prozesse pädagogisch zu unterstützen und die inhaltliche Vermittlung im Sinne politi-scher Bildung und Demokratisierung sicherzustellen.

„lokaler aufsuchender Ansatz“ – Projekte mit politischen und gesellschaftli-chen Akteuren im ländlichen Raum

Weiterer Teil des Projekts ist es, kommunale Entscheidungsträger*innen und Akteure aus dem sozialen Bereich im ländlichen Raum zu gewinnen. Damit möchten wir dafür sorgen, dass Teilnehmende, die bereits zu uns kommen, an ihrem Wohnort nach Seminarende weitermachen – Ideen verwirklichen und konkrete Unterstützung finden. Wir stärken dabei das Bewusstsein für Ehren-amt, für Ziele und Ideen, an denen sich alle beteiligen können.

„fachlicher Ansatz“ – Projekte mit gesellschaftlich relevanten Themen

Wir möchten brisante Themenfelder besetzen und dafür sorgen, dass politi-sche Bildung, reizt, hervorlockt und auch unbequem ist.

„Querschnittsansatz“ – Für alle Projekte gültig – geschlechtergerecht, inklu-siv, partizipativ, nachhaltig

In der Programmlaufzeit treiben wir Querschnittsthemen voran, vertiefen als lernende Organisation damit die Qualität unserer Arbeit und stärken unser Profil. Unabhängig vom jeweiligen Seminarthema oder Projektstand werden folgende Aspekte berücksichtigt und die Maßnahmen inhaltlich und im Han-deln begleitet:

Der Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit durch Bildungsangebote für Frau-en*, Verwendung geschlechterreflektierter Sprache, Gegenwirken von Rollen-klischees, Begreifen von Gendervielfalt und Zusammenarbeit in gemischten Teams.

Der Aspekt der Inklusion durch bspw. Abholen der Teilnehmenden von Zuhau-se, gezielte Ansprache von Menschen mit Behinderung zur Teilnahme sowie deren Ermöglichung, Informationen in mehreren Sprachen.

Der Aspekt der Partizipation von Teilnehmenden vor, während und nach den Veranstaltungen durch Vorbereitungstreffen mit Teilnehmenden, die aktiv mit-organisieren möchten oder Bereiche verantworten wollen, Nachbereitungstref-fen, um Ergebnisse zu verbreiten, an Ideen weiterzuarbeiten, sich zu vernet-zen, Einbindung in zukünftige Seminarentwicklung.

Der Aspekt der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit bspw. durch Sensibi-lisierung für Müllaufkommen, Bewusstsein für Ernährung und Energiever-brauch, für Darstellung von Produktionsprozessen, Mitbestimmung im Semi-nar, Einfordern und Leben von Toleranz für die Bedürfnisse anderer.


Die Zielgruppe

Als Jugendbildungsstätte im Feld der politischen Erwachsenenbildung sehen wir unsere Kompetenzen in der Altersgruppe, in der sich Jugend- und Erwach-senenalter überschneiden.
Wir möchten gern das im KJHG beschriebene Jugendalter erweitern, nämlich auf 16 – 35 Jahre weil sich zwar zum einen gerade die jungen Menschen mit Fluchterlebnis durch ihre Erfahrungen und die frühe Verantwortungsübernah-me (Familiengründung, Kümmern um andere) nicht mehr zu Jugendlichen zäh-len. Zum anderen aber Erwachsene Anfang dreißig durch Flucht und Migration biografische Brüche erleben, die sie näher an Orientierungsprozesse von Ju-gendlichen führen.

Zur Zielgruppe gehören zum einen Teilnehmende aus den vergangenen Mo-dellprojekten. Wir möchten sie durch dieses Projekt stärker in unsere Aktivitä-ten einbinden und zum Mitgestalten anregen. Zum anderen sind es weitere junge Menschen, teils aus dem ländlichen Raum, aus Brandenburg und Berlin.
Unabhängig davon, ob die Teilnehmenden hier geboren wurden, länger oder auch erst seit kürzerer Zeit in Deutschland leben, zeigen sie Interesse an mehr Beteiligung, oder haben den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, Chancen zu nutzen und neue Perspektiven kennenzulernen.


Die Ziele

Das Projekt steht in direkter Verbindung zu den Zielen und Schwerpunkten von HochDrei e.V. Es handelt sich um den Ausbau, um die qualitative Stärkung und Verstetigung unserer Erfolge der vergangenen Jahre: Empowerment von Ge-flüchteten und Migrant*innen im Allgemeinen und Zusammenarbeit mit Orga-nisationen in Brandenburg. Zusätzlich wollen wir mit dem Projekt auf politi-scher Ebene Vernetzung angehen und neue innovative Maßnahmen in Zusam-menarbeit mit regionalen Partnern umsetzen.

Auf der individuellen Ebene sollen die TNs auf privater, zivilgesellschaftlicher und beruflicher Ebene, zu ehrenamtlichem Engagement, sowie Unterstützung bei der Anbindung an verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen moti-viert werden, es sollen Schnittstellen zwischen jungen Migrant*innen und Nicht-Migrant*innen und Schnittstellen für gemeinsames Lernen und soziale Erfahrungen geschaffen werden.

Auf Vereinsebene möchten wir das Modellprojekt zur Stärkung des Organisati-onsprofils und Kompetenzerweiterung durch Erweiterung und Diversifizierung unseres Teams nutzen sowie die Stärkung der Zusammenarbeit des Vereins auf regionaler Ebene, vor allem mit Migrant*innenorganisationen und ländlichen Kommunen in Brandenburg

Gesellschaftlich soll das Projekt zur Stärkung von Zivilgesellschaft und ihrer Wirksamkeit in der Region beitragen, das Fördern von Vielfalt, von Ehrenamt, Erzielung von Aufmerksamkeit zu gesellschaftlich brisanten Themen und Er-proben von überregionaler Vernetzung.