HochDrei e. V. – Bilden und Begegnen in Brandenburg
polski

Die Macht der Übersetzung

Reihe Kommunikation auf int. Begegnungen / Termin kann sich noch ändern
05. bis 07. November 2010
in Potsdam
Kosten: 75 €uro
Leitung: Birgit Weidemann
ReferentInnen: Ines Steger, Iwona Łatwińska
Zielgruppe: LeiterInnen, TeamerInnen, ReferentInnen von deutsch-polnischen Maßnahmen
SprachmittlerInnen, ÜbersetzerInnen in der deutsch-polnischen Begegnungs- und Seminararbeit

Innerhalb dieses Seminars geht es um die sprachliche Kommunikation während deutsch-polnischer Projekte. Je weniger ich als TeamerIn oder ReferentIn die andere Sprache(n) selbst beherrsche, umso abhängiger werde ich von einer guten Sprachmittlung. Damit die Komplexität unserer Gedankengänge zum Ausdruck gebracht werden kann und die interkulturelle Vielfalt durch Mehrsprachigkeit in deutsch-polnischen Gruppen präsent ist, sprechen die TeilnehmerInnen und das Team in der Regel in der jeweiligen Muttersprache und werden in die jeweils andere Sprache (meistens konsekutiv) übersetzt. Dabei wird oft davon ausgegangen, dass gute Sprachkenntnisse in Deutsch und Polnisch ausreichen, um „einfach“ und „problemlos“ sprachlich vermitteln zu können. Die Übersetzung ist aber eine andere, zusätzliche Fähigkeit und Kompetenz, die etwas anderes voraussetzt als „nur“ perfekte Beherrschung von zwei Sprachen. Sie beruht auf Regeln und Normen, die zum Gelingen des Verständigungsprozesses beitragen und die den SprachmittlerInnen bzw. ÜbersetzerInnen bekannt sein sollten. Die SprachmittlerInnen befinden sich im Gruppen- und Kommunikationsprozess in einer besonderen Position und erfüllen somit eine besondere Rolle.

In ihren Händen befindet sich das Werkzeug, mit dem sie die Kommunikation nicht nur ermöglichen, sondern auch steuern können. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Sprachmittlung und Team sehr wichtig. Für beide Seiten stellen sich besondere Herausforderungen.
Als TeamerIn/Gruppenleitung sollte ich wissen, wie SprachmittlerInnen arbeiten, wie sie Informationen strukturieren und in die andere Sprache dolmetschen. So kann ich meine Sprachweise an die Bedingungen anpassen und beispielsweise bei schwierigen Themen entsprechende Vorbereitungen treffen.
Die SprachmittlerInnen sollten sich der Rolle und des Werkzeugs bewusst werden und dabei darauf achten, dass sie die ihnen verliehene Macht nicht missbrauchen, sondern jeweils eine möglichst genaue und transparente Übersetzung liefern. Dabei ist nicht jede sprachliche Situation gleich. Je nach Thema, Kontext und GesprächspartnerIn können die SprachmittlerInnen mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sein. Auch der kulturelle und persönliche Hintergrund kann sich auf die Leistungen der SprachmittlerInnen auswirken.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass SprachmittlerInnen in internationalen Begegnungen eine etwas andere Rolle einnehmen als die, die für das professionelle Dolmetschen gilt, denn sie sind in das Seminargeschehen stärker eingebunden und beeinflussen die Gruppenprozesse sehr viel mehr. Die Bandbreite, wie wir mit Sprachmittlung innerhalb unserer Begegnungen arbeiten ist sehr groß und abhängig von den jeweiligen Inhalten.

Diese Themen und Problembereiche werden während des Projekts „Die Macht der Übersetzung“ besprochen und durch praktische Übungen simuliert und diskutiert. Insbesondere werden folgende Schwerpunkte den Inhalt des Projekts darstellen:
• Wer bin ich als SprachmittlerIn / was ist meine Rolle / was ist nicht meine Rolle? Wann darf eine SprachmittlerIn mitsprechen und wann nicht?
• Was bedeutet es, neutral und transparent zu übersetzen?
• Schwierige Kommunikationssituationen aus Sicht der ÜbersetzerInnen
• Kulturelle Fallen im deutsch-polnischen Übersetzungskontext
• Absprachen und Regeln in der Zusammenarbeit von TeamerInnen und SprachmittlerInnen

Für die Teilnahme am Projekt selbst werden keine Sprachkenntnisse in Deutsch und Polnisch vorausgesetzt.


Dieses Seminar wurde erstmals im November 2009 durchgeführt und hat uns auf neue Aspekte im deutsch-polnischen Austausch sensibel gemacht. Wir wollen gerne daran weiter arbeiten, die Seminarinhalte überarbeiten und das Thema einem größeren TeilnehmerInnenkreis eröffnen.

Bitte beachten Sie, dass das Programm am Freitag Vormittag beginnt und am Sonntag Nachmittag endet. Die Anreise ist am Vortag, die Abreise am Montag, ohne zusätzliche Kosten möglich.

Ines Steger: (geb. 1982 München) DPJW-Trainerin, studierte Polonistik, Osteuropastudien und Deutsch als Fremdsprache in Berlin, Wrocław/ Polen und Tomsk/ Russland. Vorstandsmitglied der Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa GFPS e.V. im Jahr 2005/06. Europäischer Freiwilligendienst in Polen. Seit 2003 in der internationalen Jugendarbeit tätig (Schwerpunkte: Jugendaustausche, Sprachmittlung, Freiwilligendienste, Gruppendynamik).

Iwona Łatwińska : (geb. 1980 in Sosnowiec) studierte Angewandte Linguistik an der Universität Warschau und Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Hamburg; arbeitet seit mehreren Jahren als Dolmetscherin und Übersetzerin im deutsch-polnischen Bereich (unter anderem für das Deutsch-Polnische Jugendwerk); absolvierte das Leonardo-Praktikum für MitarbeiterInnen der deutsch-polnischen Bildungseinrichtungen in der Turmvilla e.V., hat Erfahrung im Bereich der deutsch-polnischen Projekte, u.a. mit der Turmvilla e.V. und IJBS Oświęcim.

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