HochDrei e. V. – Bilden und Begegnen in Brandenburg

HochDrei e.V. – Konzeption der politischen Jugendbildung

Der Verein wird von Menschen organisiert, die Demokratie aktiv mitgestalten und die Gesellschaft in Richtung soziale Gerechtigkeit weiter entwickeln wollen. Die interkulturelle Verständigung ist dabei genauso wichtig wie ökologisches Handeln und die Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft. Ziel ist ein mündiger und handlungsfähiger Mensch. Dies wird angestrebt durch die Förderung von Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit, von sozialem und interkulturellem Lernen. Der Verein fördert ein positives Grundverständnis und einen positiven Umgang mit Differenz und Vielfältigkeit. Dazu gehört die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen. Hoch Drei e.V. verpflichtet sich dem Prinzip des Gender Mainstreaming und setzt es in seiner Organisation und seinen Aktivitäten um.

So lautet die Präambel unserer Satzung. In unseren Bildungsangeboten folgen wir diesen Leitgedanken, die Seminare sind dabei Ort, Auslöser und Begleitung politischen und sozialen Lernens. Lernen findet in informellen Lernfeldern statt. Wir knüpfen am Wissen und an den Interessen der Teilnehmenden an und versuchen sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und zu stärken. Durch ein gesteigertes Selbstwertgefühl und durch bewusste Eigenverantwortlichkeit wollen wir junge Menschen dazu ermutigen und befähigen, ihr Leben selbst aktiv und kreativ zu gestalten und ihnen die Möglichkeit für Handlungsfähigkeit in Schule, Beruf und Gesellschaft aufzuzeigen.

Unsere Ziele

Die TeilnehmerInnen sollen darin gefördert werden, Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge zu gewinnen und solidarisches Handeln einzuüben sowie das Verständnis und Interesse für politische Zusammenhänge zu vertiefen. Insbesondere sollen gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen und Hintergründe erkannt, Normen und Werte kritisch hinterfragt werden.

Wir versetzen sie in die Lage, sowohl die politische Situation als auch ihre eigene Situation und Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die Situation in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sie werden entdecken, dass es dafür Verbündete und die richtigen Zugänge braucht, um Interessen einzubringen bzw. durchsetzen zu können. Gleichzeitig wird ihnen das Gefühl der Ohmacht und des Nicht-Ändern-Könnens genommen.

Wir machen Vielfalt sichtbar und erfahrbar und geben den Teilnehmenden die Möglichkeit, sie als positiv und bereichernd zu erkennen. Hauptmerkmal sind die Fähigkeit der Empathie, die bereichernde Annahme anderer Fähigkeiten und Talente und die Betrachtung der eigenen Werte im Kontext anderer Kulturen und Gruppen.

Die Jugendlichen sollen lernen, mit Wahrnehmungen umzugehen. Dies umfasst die Fähigkeit zu erkennen, wie und warum Wahrnehmungen unterschiedlich sind und zu erkennen, dass es verschiedene „Wahrheiten“ gibt. Dazu gehört, unterschiedliche Wirklichkeiten zu akzeptieren und sich immer wieder das eigene Nichtwissen und Nichtverstehen bewusst zu machen, sich auf Sichtweisen anderer einzulassen, andere Standpunkte und Vorgehensweisen nicht abzuwerten sondern sogar Vorteile darin zu sehen.

Wir schaffen eine Umgebung und Situationen, die positives Verhalten begünstigt. Die Teilnehmenden sollen ein positives Menschenbild bekommen, per se den anderen gute Motive unterstellen. Sie sollen lernen, einfühlsam mit sich und anderen zu sein auch gegenüber Außenseitern. Sie sollen neugierig werden auf andere Sichtweisen und sensibel werden für das, was mit der eigenen Reaktion bei anderen ausgelöst werden kann. Feedback zu geben und anzunehmen gehört genauso dazu wie eine eigene, abweichende Meinung konstruktiv zu vertreten.

Wir möchten, dass sie ein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen entwickeln und dadurch ein gutes Selbstwertgefühl bekommen. Dies ist eine wichtige Grundvoraussetzung, um eigene kulturelle Normen und Werte zu hinterfragen und die Bereitschaft zu entwickeln, von alten Überzeugungen loszulassen, ständig neu zu lernen sowie Fremdes und die eigenen Möglichkeiten zu erkunden.

Dazu sollen die TeilnehmerInnen die Fähigkeit entwickeln, Unterschiedlichkeiten aushalten zu können und nicht abzuwerten, offen zu bleiben, Ungeklärtes auch mal stehen zu lassen und Widersprüche zu dulden. Wenn eigene Fehler wie auch die der anderen toleriert werden können, kommt man in die Lage, Unterschiede fruchtbar zu nutzen.

Schließlich möchten wir das faire Miteinander von Frauen und Männern erreichen. Das heißt, die Teilnehmenden sollen sich der eigenen Biografie und Sozialisation als junge Frau, als junger Mann bewusst werden, unterschiedliche Sichtweisen über die eigene Position und die der anderen wahrnehmen zu lernen, Interaktion zwischen Männern und Frauen zu erleben und in ihrer Bedeutung für das eigene Selbstverständnis zu bewerten. Dazu wollen wir Handlungsmöglichkeiten für eine gerechtere und vielfältigere Gestaltung der Geschlechterverhältnisse eröffnen.

Zusammengefasst orientiert sich die Seminararbeit an folgenden pädagogischen Prinzipien:

Methoden

Zur Erreichung der Ziele nutzen wir kreative Methoden, die eigene Aktivitäten zulassen, mit denen Kompetenzen und Erfahrungen vermittelt werden können und die zu politischem Handeln befähigen.

Sie sollen die Bereitschaft zur eigenen Reflexion und Stellungnahme fördern sowie zur Übernahme von Eigenverantwortung und politischem Handeln motivieren. Die Beteiligten sollen sich mit einem Thema so auseinandersetzen, dass sie zu neuen Einsichten und Kompetenzen gelangen können. Spaß und Lust im gemeinsamen Entdecken und Erleben und die Reflexion steht dabei im Vordergrund. Methodenvielfalt berücksichtigt unterschiedliche Lernarten und beugt Konzentrationsschwächen vor. Nicht nur die Leitung, sondern auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen Verantwortung für das Seminargeschehen. Lernformen, die Selbständigkeit und Eigenarbeit fördern, haben Vorrang vor Formen des Belehrens. Eine der wichtigsten Methoden in den Seminaren ist für uns dabei die Selbstorganisation.

Selbstorganisation

Das Prinzip der Selbstorganisation wird in der Regel in unseren Seminaren angewandt. Die wichtigsten Merkmale konkreter Beteiligung finden die Jugendlichen im Mikrokosmos der Seminarwoche vor und können in ihm agieren: sie sind am Prozess beteiligt, planen zielgerichtet, die Mitbestimmung ist real und effektiv, die gemeinsam getroffenen Entscheidungen werden zeitnah umgesetzt.

Praktisch heißt das einerseits Selbstversorgung: die Teilnehmenden sorgen sich als Gruppe selbst um den Einkauf und die Zubereitung der nötigen Lebensmittel. Zu Beginn wird angeleitet durch die Seminarleitung und TeamerInnen zunächst das Prinzip erklärt und Anregungen für die Lösung der Aufgabe gegeben. Die Teilnehmenden planen die Zeiten, den Einkauf, das Zubereiten der Mahlzeiten, den Abwasch und verwalten selbst ihren Etat.

Andererseits bedeutet es Selbstbestimmung durch die Mitgestaltung des Seminarablaufs, bei den Inhalten sowie im Bereich der Freizeit.

Selbstorganisation gelingt nicht automatisch, sondern nur dann, wenn sie gewollt, verabredet und verstanden wird. Das bedeutet, die Gruppe muss sich zu Beginn auf das Prinzip der Selbstorganisation einigen und festlegen, welche Bereiche es umfasst und wie sie damit umgehen werden. Dies ist umso wichtiger, da die meisten TeilnehmerInnen aus nicht-selbstorganisierten Gesellschaftsstrukturen wie Schule, Universität oder Arbeitsplatz kommen. Daher ist der Umgang mit solchen Rechten und Freiräumen oft ungewohnt. Der notwendige Zusammenhang von: Problem wahrnehmen, überdenken, in der Gruppe beraten und das gemeinsame Handeln wird in den meisten Institutionen unserer Gesellschaft nicht vermittelt. Wir alle sind es oft gewohnt, eine Aufgabe gestellt zu bekommen, die wir allenfalls noch selbständig lösen dürfen. Fehlt diese Direktive von oben, bricht die Handlungsbereitschaft oft zusammen und es bleibt der falsche Satz stehen: Ohne Druck, ohne Chef, geht es nicht.

Selbstorganisation muss erfahren werden. Es muss verstanden und geübt werden, mit den Freiheiten und den damit verbundenen Aufgaben umzugehen.

Internationale Projekte

Im Vordergrund der Begegnungen steht der gemeinsame Begegnungscharakter. Die Themen der Seminare und die Methoden sollen Begegnungen im Kleinen und im Großen ermöglichen. Das Prinzip der Selbstorganisation unterstützt diesen Prozess. Indem gemeinsame Aufgaben wie beispielsweise die Zubereitung der Speisen gelöst werden müssen, lernen die Jugendlichen miteinander zu kommunizieren, unabhängig ihrer jeweiligen Sprachkompetenz. Alle sind gleichberechtigt Gast und GastgeberIn und haben wechselseitig die Möglichkeit, ihr Alltagsleben und ihre Essgewohnheiten zeigen zu können und kennen zu lernen. Durch eine gemeinsame Unterbringung in der Bildungsstätte spielen Unterschiede im Einkommensniveau der Familien eine weniger große Rolle, da nicht nur Kinder und Jugendliche aus wohlhabenden Verhältnissen andere bei zu Gast haben dürfen sondern für die Zeit der Begegnungen das Haus allen gleichermaßen zur Verfügung steht.

Das Beherrschen der jeweiligen Sprachen ist keine Bedingung der Teilnahme. Konsekutive Übersetzung wird immer gewährleistet. Daneben ist die Methode der Sprachanimation ein wichtiger Inhalt in den internationalen Programmen.

Sprachanimation heißt:

Eigenständige Projekte junger Menschen

Die Programme sollen nicht nur Lernort für die TeilnehmerInnen, sondern auch für die TeamerInnen sein. Es besteht die Möglichkeit für junge Menschen, eigenständige Projekte zu realisieren, die von den pädagogischen MitarbeiterInnen der Bildungsstätte begleitet und evaluiert werden. Diese TeamerInnen sind in der Regel fast gleichaltrig, so dass ein Gleich zu Gleich entstehen kann und durch das Prinzip der Selbstorganisation eine Teilhabe an Verantwortung und Selbstbestimmung aller TeilnehmerInnen und ein gleichberechtigter und emanzipatorischer Umgang miteinander möglich ist. Als Qualifizierung werden TeamerInnenausbildungsseminare angeboten, in denen die Grundlagen vermittelt werden, um internationale Begegnungen und Jugendbildungsseminare durchführen zu können. Ein Hospitationsprogramm ermöglicht, dass die angehenden TeamerInnen in Projekten qualifizierter MitarbeiterInnen Erfahrungen sammeln und sich Praxiswissen aneignen können.